Liebe & Lust

Coitus interruptus als sichere Verhütungsmethode?

MONTAG, 08.10.2018

Paare, die keine Lust auf Kondome oder hormonelle Verhütungsmethoden haben, setzen mitunter auf den Coitus interruptus, um nicht schwanger zu werden. Aber eignet sich die Rauszieh-Methode wirklich zur Verhütung?

Immer wieder wird darüber debattiert, ob der Coitus interruptus überhaupt als Verhütungsmethode bezeichnet werden kann. Das sagt eigentlich schon alles: Auch wenn der Mann seinen Penis, kurz bevor er kommt, aus der Scheide zieht, besteht eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Frau schwanger wird.

Definition: Was ist der Coitus interruptus?

Gemäß seiner Bedeutung heißt Coitus interruptus so viel wie "unterbrochener Geschlechtsverkehr" (Latein: Coitus = Beischlaf, Zusammenkunft; interruptus = unterbrochen). Bei der Technik zieht der Mann beim Sex kurz vor dem Samenerguss seinen Penis aus der Scheide der Frau. Die Ejakulation erfolgt also nicht in der Vaginalöffnung, um zu verhindern, dass die Frau schwanger wird.

Natürliche Verhütung mit langer Tradition

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Coitus interruptus die mit Abstand am weitesten verbreitete Verhütungsmethode – aus dem einfachen Grund, dass es kaum brauchbare Alternativen gab.

Schon in der Bibel wird der Coitus interruptus angedeutet: Im ersten Buch Mose lässt Onan seine Samen "auf die Erde fallen", weil er die Frau seines toten Bruders nicht schwängern möchte. Damals musste ein Mann, dessen kinderloser Bruder gestorben war, die Witwe heiraten und mit ihr Nachkommen zeugen. Das wollte Onan aber nicht – und musste sterben, weil er ungehorsam war. Unter streng gläubigen Katholiken ist der Coitus interruptus noch immer verpönt.

Coitus interruptus: Schwanger durch Rausziehen?

Der Mythos rund um den Coitus interruptus geht meist mit Sätzen wie "Ach, da passiert schon nichts" und einem "Ich pass schon auf" einher. Nicht selten zieht er aber eine Schwangerschaft nach sich.

Schwanger kann eine Frau nämlich trotzdem werden. Denn bereits vor der männlichen Ejakulation treten sogenannte Lusttropfen aus dem Penis aus, die Samenzellen enthalten können. Der Pearl-Index des Coitus interruptus liegt – je nach Studie – zwischen 4 und 30, seine Sicherheit ist also schwer definierbar. Das bedeutet: Von 100 Frauen, die ein Jahr lang ausschließlich mit dieser Methode verhüten, werden bis zu 30 Frauen schwanger. Zum Vergleich: Bei Paaren, die komplett auf Verhütung verzichten, liegt der Pearl-Index etwa zwischen 60 und 85.

Coitus interruptus: Körperbeherrschung wichtig

Den Penis beim Coitus interruptus kurz vor dem Samenerguss aus der Scheide zu ziehen, setzt eine gute Körperwahrnehmung und sehr viel Disziplin voraus – beides ist im Eifer des Gefechts nicht immer vorhanden, was die Methode zusätzlich unsicher macht.

Kann Mann sich tatsächlich beherrschen und will das Paar nach der Unterbrechung den Sex fortsetzen, sollte dies erst geschehen, nachdem der Mann Penis und Hände gründlich gewaschen und uriniert hat. Auch die Frau sollte sich von jeglicher Samenflüssigkeit befreien, bevor es weitergeht.

Obwohl die Rauszieh-Methode als unsicher gilt, ist sie bei vielen beliebt. Im Rahmen einer US-Studie von "Centers for Disease Control and Prevention" wurden unverheiratete Männer im Alter von 15 und 44 Jahren nach ihrer primären Verhütungsmethode befragt. Für den Zeitraum 2011 bis 2015 gaben 18,8 Prozent von ihnen an, mit dem Coitus interruptus zu verhüten. Das ist eine Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren.

Mann und Frau kuscheln im Bett

Der Coitus interruptus gilt in puncto Verhütungsschutz als eher unsicher.

Coitus interruptus: Maximale Unsicherheit, minimale Lust

Damit aber nicht genug: Die Methode ist nicht nur unsicher, sondern auch ein echter Lustkiller obendrein. Stell dir vor, du und dein Sexpartner liegen im Bett, vielleicht in eurer Lieblingsstellung, er bewegt sich zunächst langsam, dann schneller und es ist richtig schön. Nicht mehr lange, dann … ja dann wird er seinen Penis aus deiner Scheide herausziehen und erst dann zum Höhepunkt kommen, wenn du ihn nicht mehr in dir spürst. Ist das deine Idealvorstellung vom perfekten Sex?

Nein? Schon allein aus diesem Grund ist der Coitus interruptus in puncto Lust alles andere als ein geeignetes Verhütungsmittel. Oder möchtest du die ganze Zeit beim Sex daran denken, dass er sich zum richtigen Zeitpunkt zurückziehen muss? Großer Frust statt große Lust, so lässt sich diese Art des Liebesspiels auch zusammenfassen.

Ein weiteres Argument gegen den Coitus interruptus: Vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis B oder HIV schützt der unterbrochene Geschlechtsverkehr selbstverständlich nicht.

Coitus interruptus und One-Night-Stand

Bei einem One-Night-Stand ist vom Coitus interruptus noch mehr abzuraten als ohnehin schon. Aufgrund der hohen Fehlerquote ist die Methode als Schwangerschaftsverhütung nicht empfehlenswert. Bei einem One-Night-Stand kommt der Unsicherheitsfaktor bezüglich eventuell bestehender Geschlechtskrankheiten des Sexpartners hinzu.

Das Risiko einer Infektion sollte nicht unterschätzt werden. Den besten Schutz vor solchen Erkrankungen bieten immer noch Kondome, die ohnehin das Verhütungsmittel der ersten Wahl sein sollten, wenn der Sexpartner nahezu unbekannt ist.

Außerdem erschienen in der Serie "Mythos Verhütung":

>> "Während der Tage wird man nicht schwanger"
>> "Stillen wirkt wie ein Verhütungsmittel"
>> "Coca Cola verhindert eine Schwangerschaft"

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Halbherzige Verhütung beim Sex – Fazit:

Wer in einer festen Beziehung lebt und nichts gegen Nachwuchs einzuwenden hat, für den kann der Coitus interruptus die richtige Verhütungsmethode sein. Kommt ein Kind hingegen eher nicht infrage, solltest du unbedingt auf zuverlässigere Kontrazeptiva zurückgreifen. Neben einer ungewollten Schwangerschaft besteht beim Coitus interruptus nämlich auch das Risiko einer Infektion mit Geschlechtskrankheiten. Zumindest bei wechselnden Partnerschaften sollte die Rauszieh-Methode daher tabu sein.