Warum der neue Sixt-Werbespot "sexistische Kackscheiße" ist

DIENSTAG, 04.09.2018

Eigentlich ist der Autoverleiher Sixt für seine freche, humorvolle Werbung bekannt. Aber mit dem neuesten Spot “We know how men think” (“Wir wissen, was Männer denken”) sind sie diesmal ganz schön übers Ziel hinausgeschossen. Herausgekommen ist eine ziemlich sexistische Kampagne – und zwar sowohl gegen Frauen als auch gegen Männer.

Worum geht’s in dem Werbespot?

In dem Spot sehen wir einen – zugegeben – gut aussehenden Mann im perfekt sitzenden Anzug in einem ungemein männlichen Ledersessel sitzen und vor sich hin sinnieren. Da klingelt das Telefon. Mit unendlicher Coolness nimmt der Beau den Hörer ab und meldet sich mit einem lässigen “Yeah”. Sofort erklingt am anderen Ende eine heulende Frauenstimme, die ganz unterwürfig und schuldbewusst erklärt: “Ich weiß, ich darf dich nicht auf deiner Privatnummer anrufen, aber du rufst niiiiiiiie aaaaaaaaaaan!”

Das Geheule der langgezogenen Vokale am Ende geht über in das Aufheulen des Motors eines Sportwagens. Während seine Freundin/Geliebte  ihm also die Ohren vollheult und ihr Herz ausschüttet, denkt der Kerl an Autos. Unverschämtheit! Und dann steht da am Ende auch noch “Wir wissen, wie Männer denken.”

User-Kommentare bei Facebook gespalten

In den Facebook-Kommentare unter dem Spot gehen die Meinungen auseinander. Ein User meint, die Werbung sei “unendlich geil” und unterstreicht das mit einer Reihe lachender Smileys. Ein anderer User schimpft: “Yeah! Endlich wieder mal sexistische Kackscheisse! [sic!]” Ein weiterer User kann über den Spot überhaupt nicht lachen: “Um es deutlich zu machen: Mann wird von einer weinenden Frau angerufen, sagt kein einziges Wort und denkt an sein Auto. Was ist daran lustig?”

Interessant ist, dass sich sowohl Männer als auch Frauen durch den Spot auf den Schlips getreten fühlen. Es finden zwar auch viele Frauen und Männer die Werbung superwitzig, aber ist das wirklich so lustig, wenn die immergleichen sexistischen Klischees von der Werbebranche so unreflektiert weitergegeben werden? Und das unter dem Deckmantel des Humors?

Wir finden, diesmal hat Sixt es übertrieben. Schließlich sind nicht alle Männer kaltherzige Narzissten, die sich mehr für Statussymbole als für die Gefühle ihrer Liebsten interessieren. Und längst nicht alle Frauen sind weinerliche Heulsusen, die ohne Mann nicht leben können und gegen seine ausdrückliche Erlaubnis bei ihm anrufen, um im Sirenentonfall ihr Leid zu klagen.

Mann im Anzug sitzt auf einem Stuhl und schaut geradeaus pin

Noch cool oder schon zu klischeehaft?