Interview mit TV-Produzentin Tina Wagner

MONTAG, 23.04.2018

Bunte Post-Its und Mood-Bilder mit Format-Ideen zieren die Wände von Tina Wagners Büro. Besonders sticht ein überdimensionaler, pinker Flamingo ins Auge, eine Requisite der Show "Kiss Bang Love", die sie letzten Sommer auf Mallorca gedreht hat. Tina Wagner ist Produzentin bei Redseven und der Kopf hinter unseren Lieblings-sixx-Eigenproduktionen "Boom my Room" und "red.Style". Im Interview verrät die Powerfrau, welche Eigenschaft für sie noch wichtiger ist als Fleiß und Talent und welche Geschichte vom Set sie nie vergessen wird.

Was ist das Ausgefallenste, das auf deinem Schreibtisch steht?

Tina Wagner: Mein Salz und Pfeffer. Ich koche mir und meinem Mann jeden Tag frisch vor und da würze ich gerne nochmal nach. (lacht)

Was genau ist dein Job?

Ich leite eine Abteilung bei Redseven, wir produzieren Magazine und Dokutainment. Ich nenne sie immer "Experimente und Emotionen", weil viele unserer Formate mit Liebe zu tun und Experimentcharakter haben. Meine tägliche Arbeit: Ich beschäftige mich mit Managementaufgaben, wie zum Beispiel Personalbelange und bin inhaltlich der Sparringspartner für die Producer und Redakteure. Zum Beispiel produziere ich die Formate "red.Style" und "Boom my Room" für sixx.

Nochmal für Laien: Was ist der Unterschied zwischen einer Produzentin und einer Producerin?

Bei der Redseven verantwortet ein Producer ein Team aus Redakteuren, das für ein Format zuständig ist. Ein Produzent leitet hingegen eine ganze Abteilung und ist für viele Formate zuständig und hat somit auch mehr Managementaufgaben.

Was waren die Meilensteine auf deinem Weg zur Produzentin?

Ich habe zunächst völlig falsch studiert: Politik und Wirtschaft, weil ich dachte, ich will Nachrichten machen. Mit einem Volontariat bei den Talkshows "Arabella" und "Nicole – Entscheidung am Nachmittag!" bin ich hier im Konzern ins TV Business eingestiegen. Danach wurde ich zur Redakteurin, hab ganz viel gedreht und produziert und wurde nach Stationen als Redaktionsleitung, Producerin und Executive Producerin dann vor einem Jahr zur Produzentin. Dazwischen habe ich zwei tolle Pausen gemacht: Mit meinen zwei Kindern vor zwölf und acht Jahren.

Was hättest du eher studiert?

Psychologie oder Völkerkunde, das ich im dritten Nebenfach hatte. Oder gar nicht. (lacht)

Welche beruflichen Rückschläge gab es?

Wenn Formate aus verschiedenen Gründen gefloppt sind. Da habe ich dann schon manchmal gezweifelt. Ich glaube, gerade wenn man jung ist, empfindet man Rückschläge besonders schlimm. Während meines Volontariats habe ich einmal einen Beitrag gemacht, der total zerrissen wurde. Da war ich am Boden zerstört und hätte am liebsten geweint. Aber mit der Zeit lernt man, schnell wieder aufzustehen, die Krone zu richten und weiterzumachen. Ich glaube, dass mir auch in meinen nächsten 20 Berufsjahren noch einige Fehler unterlaufen werden, aber heute weiß ich, dass Fehler wichtig sind, um sich weiterzuentwickeln. Jeder macht sie, die Schlauen lernen daraus.

Hattest du einen Mentor?

Ich würde nicht sagen, dass es für mich diese eine Person gab, die ich als Mentor betrachten würde. Ich habe mich immer eher von mehreren Leuten inspirieren lassen. Man kann von so vielen Menschen lernen – egal, ob sie älter oder jünger sind. Jeder bringt irgendwas mit und kann was, das ich selbst nicht kann.

Was ist das Schönste an deinem Job?

Die tollen Kollegen! Und dass man seine Arbeit am Ende im Fernsehen anschauen kann.

Was fällt dir bei deiner Arbeit am Schwersten?

Loslassen. Jetzt in der Führungsposition sollen 80 Prozent meines Jobs Management sein und 20 Prozent Inhalt. Und das tut mir ein bisschen weh. Ich bin im Herzen immer Redakteurin geblieben. (lacht)

Welche Anekdote vom Set ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Wir haben im Sommer "Kiss Bang Love" auf Mallorca produziert. Um der Studiooptik der vergangenen Staffeln möglichst nahe zu kommen, haben wir nachts gedreht. Während der Küsse sollte, wie auch im Studio, ein Lichtwechsel von hell nach dunkel stattfinden. Das Kusspodest haben wir vor einer Bergkulisse aufgebaut, die wir eindrucksvoll beleuchtet haben. Damit haben wir jedoch eine Welle des Protests ausgelöst, da in der Nachbarschaft keiner mehr schlafen konnte. Es gab sogar eine Facebook-Gruppe, die gegen uns gewettert hat. Das Ende vom Lied: Wir wurden zum Bürgermeister von Alcudia zitiert, der uns eine Standpauke gehalten hat, die ich nie vergessen werde. Wir mussten alles umplanen, haben Blut und Wasser geschwitzt und zwei Tage verloren. Zum Glück konnte die Sendung im Endeffekt doch noch aufgezeichnet werden.

Was ist dein ultimativer Tipp für jemanden, der auch Produzent werden möchte?

Hab Spaß bei dem, was du machst. Sei zielstrebig, aber geh die Karriereplanung auch mit etwas Gelassenheit an. Es geht nicht darum, eine bestimmte Position zu bekleiden, es geht darum, dass deine Arbeit, dich inhaltlich ausfüllt. Ich sehe bei vielen jungen Kollegen, dass sie sich unglaublich unter Druck setzen. Einige von ihnen hatten so hohe Erwartungen an sich selbst, wollen so viel, so schnell, dass sogar die Gesundheit leidet. So kann man nicht effektiv und kreativ arbeiten. Man sollte sich immer vor Augen führen: Wenn man das macht, was einem Spaß macht, dann kommt man auch weit, weil man automatisch gut ist. Ein weiterer Tipp: Man muss nicht immer das sagen, was die Vorgesetzten hören wollen. Das ist völliger Quatsch. Denn als Führungskraft ist man total dankbar dafür, wenn jemand auch mal vermeintlich absurd denkt. Oft ergeben sich daraus dann Ideen, mit denen man weiterarbeiten kann.

Was ist wichtiger: Talent oder Fleiß?

Ich glaube Talent und Fleiß zu gleichen Teilen: Je weniger Talent man hat, desto fleißiger muss man sein. Aber genauso wichtig sind ein einnehmendes Wesen und Freundlichkeit. In einem "People's-Business" wie unserem ist es wichtig, dass Leute gerne mit einem arbeiten.

Was war der beste berufliche Ratschlag, den du je bekommen hast?

Mach, was du liebst!

Welches große Ziel möchtest du noch erreichen?

Ich habe kein ausgewiesenes Karriereziel, hatte ich nie. Im Moment arbeite ich hauptsächlich daran, mein Leben und meine Arbeit noch besser unter einen Hut zu bekommen. Weniger Stress und trotzdem supergute Arbeit abliefern, das wär’s doch. Und vielleicht ergibt sich dann auch noch mal eine neue Karrierechance – ich würde bestimmt zugreifen. Das Leben bleibt spannend!

TV-Produzentin Tina Wagner

Tina Wagner produziert unter anderem die Formate "red.Style" und "Boom my Room" für sixx.