Hyperventilation: Was ist Angstatmung?

DIENSTAG, 21.08.2018

Wenn sich Gefühle wie Angst und Wut auch im Körper breitmachen, wirkt sich dies bei vielen Menschen auf die Atmung aus. Bei manchen kommt es zur Hyperventilation. Doch was passiert da eigentlich?

Akuter Stress und große Aufregung wirken sich auf jeden Menschen anders aus. Die Atmung ist nur einer von vielen Leidtragenden, kann in Ausnahmesituationen durch Hyperventilation aber so gravierend gestört werden, dass es zu Schwindel und Taubheitsgefühlen führt.

Symptome von Hyperventilation

Weil sich bei der Hyperventilation ihre Muskeln im Brustbereich so sehr anspannen, haben Betroffene oft das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Sie geraten aufgrund des Beklemmungsgefühls in Panik, beginnen besonders tief über die Brustmuskulatur zu atmen und werden dabei immer schneller. Bei dieser heftigen, in Stößen erfolgenden Atmung wird der Körper mit mehr Sauerstoff versorgt, als er eigentlich benötigt. Es kommt zu einer Überatmung, die das Blut übersäuern lässt und Auswirkungen auf die Durchblutung hat. Typische Anzeichen sind:

  • Lippen, Hände und Füße kribbeln, zittern oder werden taub.
  • Gehirn reagiert mit Kopfschmerzen und Schwindel, der auch zur Ohnmacht führen kann.
  • Da der Stoffwechsel durch die gesteigerte Atemtätigkeit gestört wird, verkrampfen sich oft zahlreiche Muskelpartien. In manchen Fällen sind vor allem die Hände betroffen, so dass es zu einer sogenannten "Pfötchenstellung" kommt.

Ursachen für Angstatmung

Für gewöhnlich hat die Hyperventilation psychische Ursachen. Sie tritt vor allem bei starken Belastungen, Stress, Nervosität, großer Erregung und Panik auf. Mediziner bezeichnen eine psychisch bedingte, übertrieben starke Atemtätigkeit als Hyperventilationstetanie.

Es kommt jedoch auch vor, dass diese Form der Überreaktion eine Folge körperlicher Erkrankungen ist, zum Beispiel bei Hirntumoren, Hirnentzündungen, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Elektrolytstörungen, Vergiftungen und Infektionskrankheiten. Wer schon bei geringen Anlässen mit einer Hyperventilation reagiert, bei dem könnte das Reaktionsmuster zu einer chronischen Störung werden.

Hyperventilationssyndrom: Definition, Symptome und Therapie

Unter einem Hyperventilationssyndrom versteht man Angstzustände, die mit Dyspnoe (gestörte Atmung mit vermehrter Atemarbeit, Atemnot, Kurzatmigkeit) und Tachypnoe (Schnellatmung) einhergeht. Vor allem junge Frauen sind davon betroffen. Das Hyperventilationssyndrom tritt in zwei Formen auf:

  • Akut: Die akute Form ist leichter zu erkennen als die chronische.
  • Chronisch: Chronische Hyperventilation ist häufiger als akut.

Symptome der akuten Form:

  • starke Dyspnoe, mit Gefühl des Erstickens
  • Agitiertheit (krankhafte Unruhe)
  • panische Angst
  • Brustschmerzen
  • Parästhesien (peripher und perioral), z.B. Taubheit der Glieder
  • periphere Tetanie (z.B. Steifigkeit der Finger oder Arme)
  • Präsynkopen (Kreislaufinstabilität)

Mitunter treten beim akuten Hyperventilationssyndrom alle Symptome gleichzeitig auf.

Symptome der chronischen Form:

  • Symptomatik ist deutlich geringer ausgeprägt und wird daher oft übersehen
  • tiefes Seufzen
  • Patienten zeigen unspezifische somatische Symptome im Zusammenhang mit affektiven Störungen, Angsterkrankungen und emotionalem Stress. 
Frau mit geschlossenen Augen

Im Falle einer Hyperventilation gilt: Ganz ruhig bleiben!

Therapie beim Hyperventilationssyndrom:

Falls du die Diagnose Hyperventilationssyndrom erhalten hast, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Besonders wichtig ist die Aufklärung und Beruhigung des Patienten. Einige Ärzte zeigen den Betroffenen die richtigen Atemübungen im Falle von Angstzuständen mit Atemnot. Ein Tipp: maximale Aus- und Zwerchfellatmung. Auch Techniken der Stressbewältigung können beim Hyperventilationssyndrom hilfreich sein. In einigen Fällen empfehlen die Ärzte eine psychiatrische oder psychologische Behandlung. Dort können Medikamente wie Antidepressiva oder Lithium verabreicht werden.

Erste Hilfe: Was kann man gegen Hyperventilation tun?

  • Das Wichtigste ist, die von Hyperventilation betroffene Person zu beruhigen und zu versuchen, durch Anweisungen auf ihre Atmung Einfluss zu nehmen. Der Betroffene sollte sich auf seine Atmung  konzentrieren, durch den geöffneten Mund einatmen und durch die Nase ganz langsam wieder ausatmen. Außerdem sollte der Betroffene versuchen, mit dem Zwerchfell zu atmen und nicht weiter über die Brust Luft zu holen.
  • Eine Papiertüte oder eine Atemmaske können dabei helfen: Einfach über Mund und Nase stülpen, in die Tüte ausatmen und wieder einatmen. Anstatt neuer Sauerstoff wird auf diese Weise Kohlendioxid eingeatmet, sodass sich die Kohlendioxid-Konzentration im Blut wieder normalisiert und die Atmung langsamer wird. Zur Not kann man übrigens auch in eine gewölbte Handfläche atmen.
  • Falls eine Panikattacke der Auslöser der Hyperventilation gewesen sein sollte oder sich ein chronisches Problem entwickelt hat, sind eine psychotherapeutische Behandlung und das Erlernen von Entspannungstechniken (z.B. Yoga, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) ratsam.

Grundsätzlich gilt jedoch: Hyperventilation ist nicht gefährlich und schadet dem Körper nicht dauerhaft. Mit der Normalisierung der Atmung klingen die Symptome nach wenigen Minuten wieder ab.

Der Gang zum Arzt

Sollte Hyperventilation bei dir häufiger auftreten, ist ein Besuch beim Arzt zu empfehlen. Er wird anhand einer Untersuchung der Lunge und einer Blutgasanalyse feststellen können, ob es sich um ein körperliches Problem handelt und gegebenenfalls eine geeignete Therapie empfehlen.

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Das sagt die Redaktion

Ursachen für eine Hyperventilation gibt es viele. Besonders wichtig ist, dass du im Falle von Atemnot nicht die Ruhe verlierst. Für gewöhnlich ist Hyperventilation nicht gefährlich. Sobald sich deine Atmung wieder reguliert hat, klingen die Symptome wieder ab. Sollte sich Hyperventilation aber bei dir häufen, ist ein Arztbesuch ratsam. Der kann feststellen, ob es sich womöglich um ein körperliches Problem handelt, oder ob du am chronischen Hyperventilationssyndrom leidest. Mit einer geeigneten Therapie lassen sich die Angstzustände aber auch behandeln.