HIT-Training: Warum die Methode nicht ganz ungefährlich ist

DONNERSTAG, 03.05.2018

Eine schottische Ärztin staunte nicht schlecht, als drei Frauen innerhalb kürzester Zeit mit ähnlichen Symptomen in ihre Praxis kamen. Allesamt hatten ein HIT-Training im Fitnessstudio absolviert, das schwere Symptome auslöste.

HIT-Training (High Intensity Training) ist sehr angesagt. Innerhalb kürzester Zeit werden Teilnehmer an ihre Grenzen und darüber hinaus gebracht. Das Ziel? Maximale Ergebnisse bei geringem Zeitaufwand. Dass das allerdings nicht immer sonderlich gut für den Körper ist, zeigt das Beispiel dreier Frauen, die nach dem Workout im Krankenhaus landeten.

Extreme Muskelschmerzen, verfärbter Urin

Innerhalb weniger Tage kamen drei verschiedene Frauen in die Praxis einer schottischen Hausärztin. Sie alle klagten über extreme Muskelschmerzen nach einem Training im Fitnessstudio, die die Beschwerden eines klassischen Muskelkaters überstiegen. Eine Frau, die den unteren Körperbereich mit Kniebeugen und Co. trainiert hatte, konnte keine Treppen mehr steigen und es fiel ihr schwer, auf der Toilette Platz zu nehmen.

Eine andere, die den Fokus beim Workout auf die Arme gelegt hatte, konnte diese selbst mit großer Anstrengung nicht mehr durchstrecken. Und: Die Patientinnen klagten nicht nur über Schmerzen, auch ihr Urin war bräunlich verfärbt. Die Ärztin war sofort alarmiert und schickte alle drei umgehend ins Krankenhaus.

Diagnose Rhabdomyolyse: Muskelzerfall

Die Bluttests brachten die Erklärung für die schweren Symptome. Alle drei Frauen litten unter einer sogenannten Rhabdomyolyse, dem Zerfall von Muskelfasern. Durch die extreme Belastung beim HIT-Training waren die Hüllen der Muskelzellen so stark beansprucht, dass sie kaputt gingen und das Innere nach außen trat. Das erklärt auch die Verfärbung des Urins: Der Farbstoff der Muskeln, Myoglobin, ist braun. Durch die Auflösung der Muskeln gelangt er zu den Nieren, die versuchen, den Stoff auszuscheiden. Dies kann die Nieren jedoch sehr belasten und sogar ein lebensgefährliches Nierenversagen verursachen.

HIT-Training mit Vorsicht genießen

Alle Frauen hatten Tage vor ihrer Einlieferung ins Krankenhaus das hochintensive HIT-Training absolviert. Zwar waren sie fit und in guter körperlicher Verfassung, doch das Workout brachte sie an ihre Grenzen. Immer und immer wieder hatten sie die anstrengenden und ungewohnten Bewegungen wiederholt und ihren Körper damit völlig überfordert. Ein Phänomen, das typisch für HIT-Training ist. Beim Crossfit etwa wird eine hohe Intensität der Übungen mit vielen Wiederholungen kombiniert. Teilnehmer missachten dabei nicht selten die Signale ihres Körpers und machen trotz großer Erschöpfung weiter.

Dass das unglücklich enden kann, beweisen die drei Frauen aus Schottland. Sie alle mussten im Krankenhaus per Tropf mit Flüssigkeit versorgt werden – bis zu 12 Liter Kochsalzlösung erhält ein Rhabdomyolyse-Patient pro Tag. So werden die Nieren durchgespült und entlastet. Die drei übereifrigen Sport-Fans hatten Glück: Ihre Organe erholten sich und sie durften nach einigen Tagen wieder nach Hause, wo sie sich ausruhen und schonen sollten.

Frau erschöpft vom Sport

HIT-Training ist angesagt, aber es birgt seine Risiken.