Stealthing – was steckt hinter dem gefährlichen Sextrend?

Mittwoch, 17.05.2017

Eigentlich ist es wirklich unglücklich, bei Stealthing von einem neuen Sextrend zu sprechen. Immerhin ist das, was hier gemacht wird, alles andere als trendy oder gar nachahmenswert. Trotzdem gibt es momentan offenbar Redebedarf. In diversen Foren wird über die Praktik diskutiert – aber was ist Stealthing eigentlich?

Stealthing ist ein Sextrend, bei dem es darum geht, möglichst unbemerkt das Kondom beim Akt zu entfernen – obwohl sich einvernehmlich für die Verhütungsmethode entschieden wurde. Prickelnd? Sicher nicht. Experten sehen hinter dieser Praktik eine Form des Missbrauchs.

Ein Sextrend, der keiner sein sollte

Stealthing-Opfer fühlen sich betrogen und hintergangen und haben große Ängste.

Stealthing-Opfer fühlen sich betrogen und hintergangen und haben große Ängste.

Obwohl es Stealthing schon seit einiger Zeit als Praktik gibt, scheint es in letzter Zeit aktueller denn je sein. In diversen Foren besprechen Männer und Frauen den Akt. Auf Reddit schreiben beispielsweise die weiblichen Opfer über ihre Erfahrungen. Sie finden den Mut, offen über die Form des Missbrauchs zu sprechen. Dabei berichten sie zumeist davon, sich sowohl verletzt als auch betrogen zu fühlen und sich zu schämen. Ein junges Stealthing-Opfer berichtet etwa: "Der Teil, der mich wirklich fassungslos gemacht hat, war, dass es so eine krasse Verletzung dessen war, was wir vereinbart hatten. Ich habe eine Grenze gezogen. Ganz eindeutig."

Und genauso läuft es auch meistens ab. Die Frauen machen vor dem Geschlechtsakt deutlich, dass sie als Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft oder Geschlechtskrankheiten ein Kondom verwenden wollen. Der Mann willigt ein, zieht das Kondom über und entfernt es beim Techtelmechtel dann jedoch heimlich, um schließlich in ihrer Vagina zu kommen. Dieses Verhalten missachtet nicht nur die körperliche Unversehrtheit, sondern auch die freie Entscheidung des Opfers, das sich bewusst für Safer Sex entschieden hatte. Der Täter setzt sich einfach darüber hinweg, um seinen eigenen Lüsten nachzukommen.

Stealthing: Männer geben Anleitungen

Einige Männer scheinen offenbar genau daran großen Gefallen zu finden. So gibt es beispielsweise bereits einen Blog, der die besten Tipps für Stealthing-Fans gibt. Der Blogger schreibt dort: "Ich habe meine eigenen kleinen Tricks entwickelt, um mein Ziel zu erreichen. Jedes Mal, wenn ich Sex hatte, habe ich dafür gesorgt, dass ich meinen Samen völlig unerwartet und tief in den Vaginas der Mädchen ergossen habe." Diese Formulierung ist sogar nachträglich abgemildert. Ihm ist es eigenen Aussagen zufolge einfach egal, ob die Frau mit seiner Handlung einverstanden ist oder nicht. Es wirkt so, als würde ihr Unwissen genau der Kick sein, den er sich erhofft. Eine Einstellung, die absolut unverantwortlich ist. Umso schauriger ist es zu lesen, dass er auf Zustimmung in der Herrenwelt trifft. Ein anderer User schreibt etwa: "Gut gesagt, es ist das Recht eines Mannes, in der Frau zu kommen."

Ohne Kondom nichts los – dieser Wunsch muss respektiert werden!

Ohne Kondom nichts los – dieser Wunsch muss respektiert werden!

"Eine schwerwiegende Verletzung der Würde und Selbstbestimmtheit"

Nicht zuletzt, weil Stealthing in letzter Zeit derart viel diskutiert wird, hat sich nun auch eine Expertin eingeschaltet. Die promovierte Juristin Alexandra Brodsky von der Yale Universität verfasste einer Untersuchung über das Phänomen, die kürzlich im "Columbia Journal of Gender and Law" veröffentlicht wurde. Sie ist die erste, die sich aus wissenschaftlicher und rechtlicher Perspektive mit dem Thema auseinandersetzt. Ihr Ziel: Sie will ein Bewusstsein für diese Art des sexuellen Missbrauchs schaffen. Sie findet den Begriff Stealthing viel zu harmlos und möchte, dass Sexualpartner begreifen, dass eine solche Praktik weder witzig ist noch etwas mit packender Erotik zu tun hat. Übrigens: Ein Gericht in der Schweiz hat bereits in einem Exempel gezeigt, dass Sex ohne Kondom ein Tatbestand der Vergewaltigung ist. Ein "Nein" heißt "Nein" – und wenn Frauen keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr wünschen, haben das alle Beteiligten zu re

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17.05.2017 10:15
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